Passivhaus: Kosten und Förderung

Ein Passivhaus kostet je nach Bauweise, Ausstattung und Region meist mehr als ein vergleichbarer Neubau nach gesetzlichem Mindeststandard. Als grobe Orientierung können Sie bei Einfamilienhäusern mit Baukosten ab etwa 1.800 €/m² rechnen; bei gutem Standard liegen die Kosten häufig eher bei rund 2.500 €/m² ohne Keller oder darüber. Da ein Passivhaus durch bessere Dämmung, hochwertige Fenster, Lüftung mit Wärmerückgewinnung und besonders sorgfältige Ausführung meist zusätzliche Anforderungen erfüllt, sollten Sie gegenüber einem vergleichbaren Standard-Neubau mit Mehrkosten rechnen. Warum sich diese Mehrkosten trotzdem lohnen können und welche Förderung die Finanzierung erleichtert, erfahren Sie in den nächsten Abschnitten.

Passivhaus-Kosten
Mit einem Passivhaus sparen Sie langfristig Kosten ein.

Inhaltsverzeichnis

Mit welchen Kosten ist zu rechnen?

Die Tabelle zeigt grobe Beispielrechnungen für die reinen Baukosten. Je nach Anbieter, Region, Grundstück, Ausstattung und energetischer Planung können die tatsächlichen Kosten abweichen. Besonders wichtig ist deshalb, Angebote immer danach zu vergleichen, welche Leistungen bereits enthalten sind.

Wohnflächebei 1.800 €/m²bei 2.200 €/m²bei 2.600 €/m²
120 m²216.000 €264.000 €312.000 €
140 m²252.000 €308.000 €364.000 €
160 m²288.000 €352.000 €416.000 €

Wie so oft variieren auch bei einem Passivhaus die Kosten von Fall zu Fall. Auf jeden Fall sollten Sie bei einem Passivhaus mit höheren Kosten rechnen als bei einem vergleichbaren Neubau nach gesetzlichem Mindeststandard. Generell gilt: Pro Quadratmeter kommen grob Kosten in Höhe von ca. 1.800–2.600 Euro pro m² auf Sie zu. Bei einem Einfamilienhaus mit 140 m² Wohnfläche entspricht das überschlägig 252.000–364.000 Euro reinen Baukosten. Damit liegen die Mehrkosten im Vergleich zu einfacheren Standardhäusern häufig bei etwa 5–15 %, je nach Planung und Ausführung auch darüber. Hinzu kommen Kosten für Wartung, Instandhaltung und Betrieb der verwendeten Haustechnik. Entscheidend ist daher nicht nur der Baupreis, sondern auch, wie viel Energie Sie später einsparen und welche Förderung Sie nutzen können.

Bau- und Betriebskosten

Insbesondere folgende Kostenpunkte sollten beim Bau eines Passivhauses mit eingeplant werden:

  • Eine starke Wärmedämmung, um Wärmeverluste im Haus zu vermeiden,
  • eine kontrollierte Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, die eine regelmäßige Be- und Entlüftung sicherstellt,
  • dreifach verglaste Fenster mit hohem Isolationswert,
  • eine besonders luftdichte Bauweise,
  • eine sorgfältige Planung zur Vermeidung von Wärmebrücken,
  • eventuelle Sonderanpassungen für individuelle Anforderungen.

Für die energetisch hochwertige Ausstattung eines Passivhauses sollten Sie mit zusätzlichen Kosten rechnen. Diese entstehen vor allem durch die Dämmung, die Fenster, die Lüftungstechnik und die besonders sorgfältige Ausführung. An anderen Ecken können Sie hingegen sparen: Ein Passivhaus benötigt meist keine klassische große Heizungsanlage. Eine kleine Wärmequelle für sehr kalte Tage und die Warmwasserbereitung ist in der Regel aber trotzdem sinnvoll. Wird keine Feuerstätte eingebaut, kann zudem der Schornstein entfallen. Damit fallen einige Kosten für größere Heiztechnik, Brennstoffe und Lagerung weg, was die höheren Baukosten etwas relativieren kann.

Passivhaus-Daemmung
Beim Bau eines Passivhauses sollte vor allem auf eine gute Dämmung Wert gelegt werden.

Die 3 besten Heizungsinstallateure in Ihrer Nähe anzeigen

Heizkosten

Ein Passivhaus in der Größe eines Einfamilienhauses hat einen jährlichen Heizwärmebedarf von maximal 15 kWh pro Quadratmeter. Um diesen niedrigen Wert zu erreichen, ist eine kontrollierte Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ein wichtiger Bestandteil des Gebäudekonzepts. Sie bringt Kosten für Anschaffung, Betrieb und Wartung mit sich. Für Anschaffung und Einbau einer solchen Lüftungsanlage können Sie bei einem Einfamilienhaus grob 6.000–10.000 Euro einplanen. Hinzu kommen laufende Kosten für Strom, Wartung und Filterwechsel.

Kosten im Voraus vermeiden

Mithilfe des sogenannten Blower-Door-Tests lassen sich spätere Mehrkosten vermeiden. Dabei wird geprüft, wie luftdicht das Passivhaus tatsächlich ist. Das ist wichtig, weil unkontrollierte Luftundichtigkeiten Wärmeverluste verursachen und den niedrigen Energiebedarf gefährden können. Sinnvoll ist die Prüfung, bevor der Innenausbau vollständig abgeschlossen ist. Dann ist die luftdichte Ebene noch besser zugänglich und mögliche Leckagen lassen sich meist mit geringerem Aufwand beheben. Für eine einfache Leckageortung bei einem Einfamilienhaus sollten Sie häufig ab rund 300 Euro einplanen. Eine ausführlichere Messung mit Protokoll, zum Beispiel durch einen Energieberater, kann etwa 500 Euro oder mehr kosten.

Welche Förderungen gibt es?

Für ein Passivhaus kommen je nach Vorhaben verschiedene Förderwege infrage. Entscheidend ist, ob Sie neu bauen, ein neues Haus kaufen oder ein bestehendes Gebäude sanieren. Beim Neubau ist vor allem die KfW-Förderung „Klimafreundlicher Neubau – Wohngebäude“ wichtig. Gefördert werden Neubau und Erstkauf klima­freundlicher Wohngebäude. Für die Förderstufe „Klimafreundliches Wohngebäude“ gelten unter anderem hohe Anforderungen an die Energieeffizienz und an die Treibhausgasemissionen im Lebenszyklus. Bei der Variante mit QNG muss zusätzlich ein Nachhaltigkeitszertifikat vorliegen. Öl, Gas und Biomasse sind in diesen Förderstufen als Heizung ausgeschlossen.

Eine Übersicht der staatlichen Förderungen finden Sie hier:

VorhabenMögliche FörderungWichtige Hinweise
Neubau eines klimafreundlichen WohngebäudesKfW 297/298Förderkredit, Antrag vor Start über Finanzierungspartner
Neubau mit QNG-ZertifikatKfW 297/298 mit QNGHöherer Kreditbetrag möglich, Nachhaltigkeitszertifizierung nötig
Sanierung zum EffizienzhausKfW-Förderung für bestehende WohngebäudeEnergieeffizienz-Experte erforderlich
Einzelmaßnahmen an der GebäudehülleBAFA-FörderungZum Beispiel Dämmung, Fenster oder Anlagentechnik im Bestand
Heizungstausch im BestandKfW-HeizungsförderungZuschuss für klimafreundliche Heizungen möglich

Für bestehende Gebäude läuft die Förderung anders. Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle, Anlagentechnik außer Heizung, Heizungsoptimierung sowie Fachplanung und Baubegleitung werden über die BAFA-Förderung für Sanierung Wohngebäude abgebildet. Förderfähig sind dort unter anderem Maßnahmen an der Gebäudehülle, bestimmte Anlagentechnik sowie Fachplanung und Baubegleitung.

Wenn im Bestand zusätzlich die Heizung erneuert wird, ist die KfW-Heizungsförderung relevant. Für private Eigentümerinnen und Eigentümer bestehender Wohngebäude nennt die KfW einen Zuschuss von bis zu 70 % der förderfähigen Kosten für eine neue klimafreundliche Heizung. Gefördert werden unter anderem Wärmepumpen, solarthermische Anlagen, Biomasseheizungen, Brennstoffzellenheizungen sowie Gebäude- und Wärmenetzanschlüsse.

Wichtig: Förderprogramme können sich mit der Zeit ändern und hängen von den Bundesmitteln ab. Außerdem muss der Antrag in der Regel vor dem Vorhabenbeginn gestellt werden. Deshalb sollten Sie die Förderung immer prüfen lassen, bevor Sie Bau- oder Lieferverträge verbindlich abschließen.

Passivhaus oder Effizienzhaus: Wo liegt der Unterschied?

Ein Passivhaus beschreibt vor allem, wie gering der Heizwärmebedarf eines Gebäudes ist. Im Mittelpunkt stehen also die Gebäudehülle, die Luftdichtheit, die Lüftung mit Wärmerückgewinnung und der sehr niedrige Wärmebedarf.

Ein Effizienzhaus ist dagegen ein Förderstandard der KfW. Dabei wird das Gebäude mit einem Referenzgebäude verglichen. Für die Förderung zählen unter anderem der Primärenergiebedarf, die Qualität der Gebäudehülle und die eingesetzte Technik.

Ein Passivhaus kann die Anforderungen an ein Effizienzhaus erfüllen, muss aber im Förderantrag trotzdem korrekt nachgewiesen werden. Deshalb sollten Sie frühzeitig eine Energieeffizienz-Expertin oder einen Energieeffizienz-Experten einbinden. Diese Fachleute erstellen die nötigen Nachweise und begleiten die Antragstellung. Bei der KfW-Förderung für klimafreundliche Neubauten müssen Expertinnen oder Experten für Energieeffizienz die Anforderungen bestätigen.

Nachhaltig wohnen und langfristig sparen

Ein Passivhaus kann die Heizkosten deutlich senken, weil der Wärmebedarf sehr niedrig ist. Die Einsparung hängt aber davon ab, womit Sie vergleichen: Gegenüber einem alten, schlecht gedämmten Gebäude ist der Unterschied besonders groß. Gegenüber einem modernen Neubau nach aktuellem Standard fällt die Ersparnis kleiner aus, kann sich über viele Jahre aber trotzdem bemerkbar machen.

Neben den Heizkosten spielt auch der Wohnkomfort eine wichtige Rolle. Gute Dämmung, warme Fensterflächen und eine kontrollierte Lüftung sorgen für gleichmäßige Temperaturen und frische Luft. Besonders angenehm ist, dass kalte Zugluft und starke Temperaturunterschiede im Haus deutlich seltener auftreten.

Ob sich ein Passivhaus finanziell lohnt, hängt von Baukosten, Finanzierung, Energiepreisen, Fördermitteln und Nutzungsverhalten ab. Wer langfristig denkt, sollte daher nicht nur auf den Baupreis schauen, sondern auch auf Betriebskosten, Werterhalt und Zukunftssicherheit.

Passivhaus FAQ

Die Kosten hängen stark von Bauweise, Größe, Ausstattung, Region und Grundstück ab. Als grobe Orientierung können Quadratmeterpreise helfen, sie ersetzen aber keine konkrete Planung. Wichtig ist, genau zu prüfen, ob sich die Angabe nur auf Baukosten oder auf das gesamte Projekt bezieht.

Meist ja. Die Mehrkosten entstehen vor allem durch bessere Dämmung, hochwertige Fenster, luftdichte Ausführung, Lüftungstechnik und eine genauere Planung. Dafür fallen später deutlich geringere Heizkosten an.

Ein Passivhaus braucht keine klassische große Heizungsanlage wie viele ältere Gebäude. Eine kleine Wärmequelle ist aber meist trotzdem sinnvoll, etwa für besonders kalte Tage und für Warmwasser. Häufig reicht eine kleine Wärmepumpe, ein Heizregister oder ein anderes kompaktes System.

Beim Neubau kommt vor allem die KfW-Förderung „Klimafreundlicher Neubau – Wohngebäude“ infrage. Bei Sanierungen können je nach Maßnahme KfW- oder BAFA-Förderungen relevant sein. Da Förderprogramme regelmäßig angepasst werden, sollten Sie die aktuellen Bedingungen immer vor Beginn der Maßnahme prüfen.

Ein Passivhaus orientiert sich am besonders niedrigen Heizwärmebedarf. Ein Effizienzhaus 40 ist ein Förderstandard, bei dem das Gebäude mit einem Referenzgebäude verglichen wird. Ein Passivhaus kann auch ein Effizienzhaus 40 sein, muss dafür aber die entsprechenden Nachweise erfüllen.

Ein Passivhaus lohnt sich vor allem für Bauherren, die langfristig planen. Die Baukosten sind oft höher, dafür sinken die laufenden Heizkosten. Außerdem profitieren Sie von hohem Wohnkomfort, guter Luftqualität und einer zukunftssicheren Bauweise.

Das könnte Sie auch interessieren